Sanierung IC-Komplex
der Ruhr-Universität Bochum

Projektinformation

Der IC-Komplex der Ruhr-Universität Bochum wurde einer zweijährigen Revitalisierung unterzogen und zu einem zukunftsorientierten Forschungsgebäude entwickelt.
Der Gebäudekomplex bietet nun rund 5.000 Studierenden und Wissenschaftlern die Möglichkeit in einer technisch bestausgestatteten, funktional einwandfreien und architektonisch ausgewogenen Umgebung zu studieren und zu forschen. Der gesamte Universitätskomplex der 1965 eröffneten Ruhr-Universität Bochum gliedert sich in die vier Bereiche Medizin, Natur-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften. Dreizehn, auf einem einheitlichen Raster entstandene Institutsgebäude werden durch eine nord-östliche Zentralachse und über eine sich von Osten nach Westen durchziehende Grünachse erschlossen. Im nordöstlichen Bereich des Campus befindet sich der I-Komplex, in dem die Ingenieurswissenschaften untergebracht sind. Dieser wird in Teilabschnitten auf Grundlage der Planung von Gerber Architekten von HOCHTIEF schlüsselfertig revitalisiert. Der Erste Teil, das IC-Gebäude wurde durch HOCHTIEF einer zweijährigen Schadstoff- und Kernsanierung unterzogen und als zukunftsweisendes Forschungsgebäude von der Ruhr-Universität Bochum bereits in Betrieb genommen. Die neue, klare lineare Wegeführung innerhalb des gesamten Ingenieurskomplexes sorgt für eine vereinfachte Erschließung aller Institutsbereiche. Sichtbeziehungen zu den neu inszenierten Innenhöfen und kommunikative Verbindungen über die Geschosse bewirken eine hohe Raumqualität und unterstützen die intuitive Orientierung inner- und außerhalb der Gebäude. Im Zuge eines Verhandlungsverfahrens sind Gerber Architekten über HOCHTIEF zurzeit mit der Planung der Ersatzneubauten der weiteren Gebäudeteile IA und IB beauftragt, sowie mit dem Neubau eines Zentrums für grenzflächendominierte Höchstleistungswerkstoffe, dessen Form sich als skulpturaler Baukörper von den umgebenden stringenten Baukörpern abhebt.

Die 1965 – 1970 errichtete Ruhr-Universität Bochum zeichnet sich durch ihre klare Gebäudestruktur aus. Das einheitliche Aussehen und die Funktionalität dieser Baustruktur spiegeln die damaligen architektonischen Ideologien wider. Der Entwurf der Architekten HPP umfasst die 13 Institutsgebäude der Fakultäten Medizin, Natur-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften, die auf einem einheitlichen Raster aufgebaut sind, sowie die fakultätsübergreifenden und administrativen Bereiche im Zentrum des Universitätskomplexes. Am nordöstlichen Rand des Gesamtareals befindet sich die I-Reihe, die von den Ingenieurwissenschaften genutzt wird. Der von Gerber Architekten revitalisierte IC-Komplex ist Teil dieser Gebäudereihe und setzt sich aus den dreigeschossigen Flachbauten ICFW und ICFO sowie dem darauf aufgelagerten Hochhausriegel IC zusammen. Das städtebauliche Ziel von Gerber Architekten war es, die als Funktionsschwäche identifizierte, fehlende innere Erschließung durch den Gesamtkomplex zu schaffen und für eine intuitive Orientierung zu sorgen. Für den IC-Komplex wurden zwei neue Erschließungsachsen angelegt: die Nord-Süd-Magistrale innerhalb des IC Hochhauses und die Ost-West-Magistrale, die den gesamten Ingenieurskomplex IA bis ID miteinander verbindet. Ein weiterer, neuer Haupteingang befindet sich im Norden und ist über die Nord-Süd Magistrale mit dem Bestandseingang verbunden. Der Besucher gelangt von dem neuen Nordeingang über eine inszenierte, offene Kaskadentreppe zum vorhandenen Südeingang, der sich zwei Etagen darüber befindet. Gezielte Blickbeziehungen in die Bibliothek, das Herzstück des Gebäudes, und in den grünen Innenhof verleihen dieser Achse ihre zusätzliche Raumqualität. Die Ost-West Magistrale beginnt am südlichen Bestandseingang des IC-Hochhauses und ermöglicht die innere Erschließung – einerseits Richtung Neubau ID und andererseits bis zum Hochhausriegel IA. Die neuen dreigeschossigen Freitreppen wurden in Form von galerieartigen gläsernen Vorbauten innerhalb der Höfe ergänzt. Somit ist jede Ebene der unterschiedlich hohen Gebäudeteile über diese Magistrale direkt erreichbar. Die Galerieebenen werden als Kommunikationszonen genutzt. Sie erhalten durch die Lufträume und den direkten Blick in die drei Innenhöfe eine zusätzliche Aufenthaltsqualität. Die Innenhöfe wurden nach den Originalentwürfen der Gartenarchitekten Georg und Rosemarie Penker rekonstruiert. Die Bestandsmaterialien wurden dafür weitestgehend restauriert und teilweise ersetzt.

Der Baukörperkomplex der Ruhr-Universität Bochum erfüllte die, in den 1970er Jahren benötigte Funktionalität eines universitären Hochhausbaus, wird jedoch den heutigen Ansprüchen an Forschung und Lehre nicht mehr gerecht. Die bestehenden Gebäuderessourcen sind dennoch im Sinne der Nachhaltigkeit erhaltenswert, so dass man sich für eine Revitalisierung der gesamten Anlage entschieden hat. Der Entwurf des I-Komplexes von Gerber Architekten berücksichtigt grundsätzlich die vorgegebene Gebäudetypologie der Bestandsbauten. Die Gesamtkubatur, aber auch die funktionale Gebäudestruktur, bleiben erhalten und werden mit einem neuen Innenraum- und Fassadenkonzept modernisiert. Zudem wird der gesamte Komplex barrierefrei ausgelegt. Zwei Hörsäle mit jeweils 340 Plätzen, 57 Laboren und zahlreichen Seminar- und Büroräumen bieten rund 5.000 Studierenden und Wissenschaftlern die Möglichkeit in einer technisch bestausgestatteten und funktional einwandfreien Umgebung zu studieren und zu forschen. Zwischen den beiden Fakultäten Maschinenbau und Bau- und Umweltingenieurwissenschaften gibt es eine deutliche räumliche Trennung innerhalb des Gebäudes. Während sich die Räume der Maschinenbauer im Wesentlichen in den östlichen Flachbauten sowie den drei unteren Hochhausebenen befinden, erstrecken sich die Räume der Bau- und Umweltingenieurwissenschaften im westlichen Flachbau sowie in den drei oberen Hochhausebenen. Die zentralen Bereiche, wie die Bibliothek, CIP-Inseln, Fachschaften, Dekanate und Verwaltung liegen im Kernbereich der Flachbauten unterhalb des Hochhauses. Fakultätsübergreifende und stark frequentierte Bereiche sind direkt an der Nord-Süd- Magistrale angeordnet. Die beiden Hörsäle und die Seminarräume werden von allen Fakultäten genutzt und sind im südlichen Bereich der Flachbauten situiert. Das neue Institut ICAMS ist ebenfalls an dieser präsenten Lage angeordnet und ist als eigenständiger „Baustein“ in der Gebäudestruktur des IC-Komplexes ablesbar. Die Grundrisse in den Standardgeschossen des Hochhauses folgen einer klassischen Dreibundstruktur mit außenliegenden Büro- und Seminarräumen und einer Versorgungs- und Erschließungsstruktur mit geschlossenen Besprechungsbereichen in der Mittelzone. Sämtliche ständige Arbeitsplätze können somit natürlich belichtet und belüftet werden. Die studentischen Arbeitsplätze sind ebenfalls in den Regelgeschossen angeordnet und bieten einen Ausblick in den Innenhof und in die grüne Umgebung des Standorts. Für diese Zonen sahen Gerber Architekten spezielle studentische Arbeitsplätze mit großer Aufenthaltsqualität und einem hohen Potential zum Kommunikationsaustausch zwischen den Lehrveranstaltungen vor. Die Ebenen entlang der Magistraltreppe sind auf dem Prinzip eines Marktplatzes konzipiert, ein Treff-, Aufenthalts- und Kommunikationspunkt für das tägliche Miteinander im IC Komplex.

Das Erscheinungsbild der alten Fassade des IC-Hochhauses war geprägt durch Fensterbänder und die umlaufenden Fluchtbalkone. Aus brandschutztechnischen Gründen werden die Balkone nun nach der Sanierung nicht mehr benötigt. Dennoch entschlossen sich Gerber Architekten dazu, in Anlehnung an den Sieben-Punkte-Plan der Denkmalpflege, mit der Sanierung neue Balkone zu errichten. Einerseits unterstützen diese nun den Sonnenschutz in den Büros und andererseits ermöglichen Sie die Reinigung der Fassade ohne großen technischen Aufwand. Die neuen Fassadenelemente und Balkone fügen sich in das Gesamterscheinungsbild ein und verleihen dem Gebäude eine neue Identität. Sie bestehen aus einer leichten Stahlkonstruktion deren Brüstungen teilweise mit einer geschlossenen Aluminiumblechverkleidung ausgebildet, teilweise aufgelöst werden. Sowohl diese im Hochhausbereich neu ausgebildeten Balkone als auch die horizontale Bandstruktur und die vertikalen Stützenverkleidungen, die das Tragwerksraster von 7,5 m aufnehmen, berücksichtigen den städtebaulichen Zusammenhang des Areals und den Denkmalschutz. Als gestalterische Auflockerung der ansonsten sehr stringenten Fassadengestaltung wird an den Längsseiten des Gebäudes, zueinander versetzt, ein dreigeschossiger Bereich geschaffen. Dieser bietet einerseits einen größtmöglichen Ausblick in die grüne Umgebung der RUB, andererseits wird durch den gestalterischen Bruch die interne Institutstrennung nach außen sichtbar gemacht. In diesen räumlich sehr hochwertigen Kommunikationszonen befinden sich die Arbeitsplätze für Studenten. Die Glastreppenhäuser entlang der Ost-West Magistrale wurden additiv in das Gebäude integriert. Dadurch konnte die erforderliche Breite der Erschließungswege garantiert werden, ohne dass in die Bestandsstatik des Gebäudes eingegriffen werden musste. Um den Sonnen- und Wärmeeintrag in diesen neuen Gang-, und Treppenbereichen zu minimieren wurden die Dachflächen entlang der Höfe mit massiven Bauteilen geschlossen. Die neuen Fassaden werden den modernsten energetischen und ökologischen Ansprüchen gerecht und erhalten zudem eine gestalterisch ansprechende Optik.

Moderne zukunftsfähige Labore sollten flächeneffizient nutzbar und flexibel anpassbar sein um auf die nutzungsspezifischen Anforderungen der jeweiligen Fachbereiche eingehen zu können. Besonders bei den technischen Fakultäten Maschinenbau und Bau- und Umweltwissenschaften werden, aufgrund der heterogenen Forschungsausrichtung, Einzellabore für Großgeräte benötigt, in denen die Raumkondition und die Medienanbindung individuell geregelt werden kann. Die vorgegebene Raumstruktur der Flachbauten des IC-Komplexes bot die ideale Voraussetzung, um diese nutzungsoptimierten Labore realisieren zu können. Die Laborgrößen innerhalb des vorgegebenen Rasters konnten größtenteils beibehalten werden und bieten nun eine individuelle Nutzungsstruktur ohne die Flexibilität für eine zukünftige Umnutzung zu verlieren.

Das IC Gebäude ist, wie die gesamte Anlage der Ruhr-Universität, durch eine industrielle Bauweise der 1960er Jahre geprägt. Die bestehende Rohbaustruktur basiert auf einem Stützenraster von 7,5 m auf 7,5 m. Aufgrund der hohen Gebäudetiefe von 22,5 m wurden die Räume im Dreibund organisiert. Diese Geometrie und die kleinteilige Fassadenstruktur ermöglichen eine hohe Flexibilität im Grundriss. Somit ist das Institutsgebäude durch den Einsatz leichter Trennwände auch in Zukunft an die sich verändernden Forschungsanforderungen problemlos anpassbar. Die vorhandene Typologie des IC Gebäudes wurde unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte beibehalten, um so die Silhouette und die architektonische Charakteristik der Gesamtanlage zu erhalten. Hierfür wurde der eigens für die Ruhr-Universität aufgesetzte Sieben-Punkte-Plan berücksichtigt, da das Gebäude offiziell noch nicht unter Denkmalschutz steht. Das Bestandsgebäude wurde seitens HOCHTIEF bis in den Rohbauzustand rückgebaut, alle Materialschäden und Schadstoffe, u.a. Asbest und PCB beseitigt und im Zuge der schlüsselfertigen Sanierung energetisch und ökologisch ertüchtigt. Das gesamte Gebäude wurde zudem im Sinne der Nachhaltigkeit umgeplant. „Wir bauen Dinge, die auch in 50 Jahren noch der gleichen Bestimmung gerecht werden können. Je weniger dafür in der Zukunft verändert werden muss, desto preiswerter und nachhaltiger sind die Gebäude. Und zudem ist es für uns als Architekten schöner, da das Projekt so erhalten bleiben kann, wie es von uns geplant wurde“, bekräftigt Prof. Eckhard Gerber seine Entwurfsintention.

Ort Bochum, Deutschland
VOF-Verfahren Zuschlag 2009
Bauzeit 2011–2013
BGF 52.310 m²
BRI 215.950 m³
2014 Auszeichnung Guter Bauten 2014 (Publikumspreis)